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1. Aufgabenstellung
Es soll eine definierte Versuchsanlage erstellt werden, welche Strömungsgeschwindigkeitsmessungen
im laminaren Bereich bis zum Umschlagpunkt zur Turbulenz ermöglicht,
ebenso die Erfassung sämtlicher Druckanteile zulässt. Sie soll
einsatzfähig sein für Profiluntersuchungen von Hindernissen,
Verzweigungsproblemen, Messung von Widerstandszahlen etc. Die Messmöglichkeit
mit aller zusammenhängenden Problematik soll optimiert werden.
2. Problembeschreibung „Ziele“
A) Zur Erzeugung eines
konstanten Luftstromes muss ein Generator entwickelt werden. Anzufangen
ist mit Pressluftquelle mit nachgeschaltetem Ausgleichsbehälter und
anschließender Falschluftansaugung; dies ist gegebenenfalls technisch
zu vervollkommnen oder zum stabilisierten Ventilator überzugehen.
B) Auswahl und Untersuchung
der optimalen Ein- und Auslaufgeometrien – optimal in Bezug auf
eine möglichst große Unterbietung der Schillerschen Anlaufformel.
C) Alle Druckanteile mit quantitativer
Fehlerangabe zyklisch messen, und zwar zwischen Minimaldrücken („Null“)
und Umschlagpunkt zur Turbulenz.
D) Die bisher verwendeten Sonden
sind zu optimieren – zunächst nur im Experimentalzustand, damit
sukzessiv gemessen werden kann, dann im Hinblick auf den bezeichneten
Endzustand. Die Methode der Hitzdrahtmessung kann sicher verbessert werden.
Wenn die Linearität zwischen Geschwindigkeit und elektrischen Signal
nachzuweisen wäre, könnte man die Eichung der Geschwindigkeit
durch eine Gesamtverlustdruckmessung ersetzen. Die Eichung hat mit den
zuletzt verwendeten Verfahren nur dann Sinn, wenn die Problematik der
Größenordnung der Drucke und den zu erwartenden Fehlern mit
größter Sorgfalt und Umsicht durchgeführt und auch rationalisiert
wird, damit viele Eichungen in relativ angemessener Zeit durchgeführt
werden können. Andernfalls sollte man lieber mit einem handelsüblichen
Rotameter arbeiten.
E) Bei allen Untersuchungen
sollte von Anfang an das Temperaturproblem mit berücksichtigt werden!
Hierzu ist wahrscheinlich die ganze Anlage vom Puffervolumen an einschließlich
aller Rohre und Zuleitungen thermisch zu isolieren und die Temperatur
längs des Systems laufend zu überwachen, zumindest solange,
bis maß weiß, in welchem Umfange auf Dauer eine solche Stabilisierung
und Überwachung nötig ist.
F) Die von der Hypothek Klutke
her vorgegebene Sondenhalterung muss auf Dauer ersetzt werden. Wie steht
es mit Thermoelementen in einer Brückenschaltung – würde
eine Funktion zwischen w – T zustande kommen?
G) Ein weiteres offenes Problem ist
die Funktion Anströmgeschwindigkeit des Gases auf den Hitzdraht –
Temperaturänderung (Zeitkonstante) Wärmeübergang (an die
Halterung).
H) Umschlagpunktuntersuchungen
unter Variation von Gas (Beimischung von Wasserdampf etc. und lokalen
Hindernissen).
I) Die in
den Experimenten verwendeten Messanordnungen sind effektiv oder wenigstens
im Stadium der Planung soweit zu entwickeln, dass im Endzustand eine definierte
Versuchsanlage zur Verfügung steht. Eine evtl. abschließende
Probemessung mit Gittern ist durchzuführen.
3.
Zur Theorie
3.1. Grundlagen
Entwicklung der allgemeinen Durchflussgleichung.
Wird eine Rohrleitung vom Querschnitt A von einem Stoff der Dichte
und mit der mittleren Geschwindigkeit v vollständig und stationär
durchströmt, so ist der Durchfluss

als Volumenfluss.
Nach dem Kontinuitätsgesetz ist an jeder Stelle der durchströmten
Rohrleitung der Durchfluss konstant. Für die Drei in Abb. 1 gekennzeichneten
Punkte verschiedenen Querschnittes gilt also

d.
h. die Geschwindigkeit eines Stoffstromes ändert sich umgekehrt mit
dem Querschnittsverhältnis bzw. umgekehrt mit dem Quadrat des Durchmesserverhältnisses.
In einem geschlossenen, waagrecht verlaufenden System – als solches
soll Abb. 1 angesehen werden – und unter der Annahme, dass die Strömung
stationär und reibungsfrei verlaufen soll, ist die Energiesumme stets
konstant, d. h. eine Änderung der Geschwindigkeit, also der kinetischen
Energie, kann nur auf Kosten der potentiellen Energie erfolgen. Diese
Erkenntnis wird in der Bernoullischen Gleichung formuliert, welche besagt,
dass die Summe aus statischem Druck und dynamischen Druck konstant ist.

Bei Berücksichtigung der Rohrreibung, welche als Druckverlust auftritt,
d.h. eine verbrauchte Leistung darstellt, muss unterschieden werden zwischen
inkompressibler und kompressibler Fortleitung.
In dieser Arbeit wird die Strömung als inkompressibel angesehen,
da die auftretenden Strömungsgeschwindigkeiten diese Vernachlässigung
zulassen – bis auf eine Ausnahme, auf welche gesondert eingegangen
wird.
Der Druckverlust ist proportional dem Verhältnis Leistungslänge
zu Leistungsdurchmesser und der kinetischen Energie. Der Proportionalitätsfaktor
ist die Rohrreibungszahl

Die Rohrreibungszahl ist abhängig von der Reynoldszahl Re, als auch
von der Rauhigkeit der Rohrwand. Die Reynoldszahl stellt das Verhältnis
der Trägheitskräfte zu den Viskositätskräften im Stoffstrom
dar und kennzeichnet die Strömungsform.

Gleichung 7) zeigt, dass die Re-Zahl bei einer maßstabgetreuen Verkleinerung
des Körpers erhalten bleibt, wenn die Strömungsgeschwindigkeit
entsprechend vergrößert oder die kinematische Viskosität
verkleinert wird. Daraus leitet man das Ähnlichkeitsgesetz ab, und
er ergibt sich die Möglichkeit, Strömungsversuche mit Modellen
auszuführen.
Die weitere Abhängigkeit der Rohrreibungszahl von der Wandrauhigkeit
wird durch Einführung des Verhältnisses d/k berücksichtigt,
wobei k den Rauhigkeitswert in mm darstellt. Abb. 2 zeigt die Abhängigkeit
der Rohrreibungszahl l von Re und d/k. Zunächst ist bis zur kritischen
Reynoldszahl Rek 2.300 das laminare Strömungsgebiet eingetragen,
in dem die Beziehung nach Hagen-Poiseuille gilt
Beim Übergang in das turbulente Strömungsgebiet –
nämlich bei Re
> 2300- steigt l sprunghaft an und verläuft für völlig
glattes Rohr nach dem Gesetz von Prandtl-Karman

Um die zu entwickelnde Anlage datenmäßig voll zu erfassen,
ist es wichtig, die Widerstandszahl mit
in diesen Abschnitt einzubeziehen.
Denn die angegebene Druckverlustgleichung 6) hat eine gerade Rohrleitung
unveränderlichen Querschnitts zur Voraussetzung, die also die Strömungsrichtung
unverändert beibehält und die keine Rohreinbauten aufweist.
In gekrümmten Rohren mit Änderungen der Hauptbewegungsrichtung
werden das Strömungsprofil und die Druck-
Verteilung über den Rohrdurchmesser so verändert, dass Sekundär
Strömung mit Strahlablösung von der Rohrwand auftritt, die einen
Zusätzlichen Druckverlust zur Folge hat. Als Unterscheidung zu l
Eines geraden Rohres wird für diesen zusätzlichen Verlust die
Widerstandszahl eingeführt,
sodass für den Druckverlust die Beziehung gilt

Dieser zusätzliche Widerstand kann also in eine äquivalente
Rohrlänge umgerechnet werden (siehe Abschnitt 2 A).
Um eine voll ausgebildete Rohrströmung zu erhalten, sei sie nun laminarer
oder turbulenter Art, ist eine gewisse Geradrohrlänge erforderlich,
die sogenannte Anlaufstrecke. Als solche bezeichnet man die Länge
x, nach der das Geschwindigkeitsprofil sich weniger als 1 % vom endgültigen
Zustand unterscheidet. Nach Schiller gilt

Im Gegensatz zu Schiller nehmen Tietjens und Boussinesq den größeren
Wert mit

an und begründen ihn mit der im Kern nicht reibungsfreien Strömung.
Gleichung 11) bzw. 12) geben die Anlaufstecken für Re < 2300
an (laminares Gebiet). Im turbulenten Bereich verringert sich die Anlaufstrecke
auf ca. 30 – 40 d. (Siehe Abschnitt 2 B).
Da die Anlage bevorzugt im laminaren Strömungsgebiet Messdaten liefern
soll, wird speziell auf diese Strömungsart noch kurz eingegangen.
Die Strömung haftet an der Rohrwand, die Geschwindigkeit ist dort
gleich Null. In der Mitte ist die Strömungsgeschwindigkeit maximal,
und fällt stetig zur Wand, d. h. bei laminarer Strömung haben
die einzelnen Strömungsschichten unterschiedliche Geschwindigkeiten
und berechnen sich zu

Das Verhältnis von Gleichung 13) und 14)

zeigt die Geschwindigkeitsverteilung als Parabel, was durch diese IA messtechnisch
nachzuweisen ist.
Aus den obigen Gleichungen resultiert

Weiterhin lässt sich sagen, dass die mittlere Geschwindigkeit an
der Stelle

Die Durchflussmenge Q ergibt sich dann als sogenanntes Gesetz von Hagen-Poiseuille

Der Druckverlust längs des Rohrweges l ist gleich,

sodass man bei Messung von D p direkt auf die Gestalt der parabolischen
Geschwindigkeit schließen kann, was nachzuweisen ist. (Siehe Abschnitt
2 C).
Gibt die Strömung Wärme an die Wand ab, so gilt das Poiseuillesche
Gesetz nicht mehr ganz. Insbesondere bei Flüssigkeiten, deren Zähigkeit
stark temperaturempfindlich ist, bilden sich dann an der Rohrwand Schichten
mit anderer Zähigkeit. Dieser Einfluss soll mit in die Überlegung
der IA einbezogen werden (Siehe Abschnitt 2 E).
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